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25.8.2026

Altersvorsorgedepot 2027: Was die neue Förderung dir wirklich bringt

Ronny Wagner

Altersvorsorgedepot 2027: Was die neue Förderung dir wirklich bringt

Das Altersvorsorgedepot 2027 ist beschlossen – und es ersetzt die Riester-Rente. Der Bundestag hat das Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026 verabschiedet, der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 zugestimmt. Das Gesetz ist Ende Mai 2026 in Kraft getreten. Anbieten darf man die neuen Produkte aber erst ab dem 1. Januar 2027.

Wenn du selbst einen Riester-Vertrag hast, vorweg die Entwarnung: Der läuft weiter. Niemand kündigt ihn, niemand wandelt ihn um, und du musst zum Stichtag nichts unternehmen. Was das im Einzelnen bedeutet und wann sich ein Wechsel überhaupt lohnt, steht weiter unten in einem eigenen Abschnitt.

Der Rest dieses Artikels erklärt, was ab 2027 neu ist, wer gefördert wird – erstmals auch Selbstständige – und wo die neue Förderung ihre Grenzen hat.

Was sich zum 1. Januar 2027 ändert

Die Riester-Rente hatte zwei bekannte Schwachstellen: die Beitragsgarantie und die Kosten. Weil jeder eingezahlte Euro zu Rentenbeginn wieder da sein musste, konnten die Anbieter kaum in Aktien investieren. Das Ergebnis waren Verträge mit viel Sicherheit und wenig Rendite.

Die Reform dreht genau daran. Kernstück ist das Altersvorsorgedepot – ein geförderter Vertrag, bei dem bewusst auf eine Garantie verzichtet wird, damit das Geld in Fonds, ETFs und andere für Kleinanleger geeignete Anlageklassen fließen kann. Wer weiter eine Garantie möchte, bekommt sie als eigenes Produkt: entweder mit voller Beitragserhaltung oder mit einer reduzierten Garantie von 80 Prozent.

Dazu kommt ein Standarddepot als einfache Variante: zwei voreingestellte Fonds, eine automatische Umschichtung in risikoärmere Anlagen vor Rentenbeginn – und eine gesetzliche Kostenbremse. Mehr als 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr darf es nicht kosten.

Ein Punkt ist noch offen: Ein zusätzliches, öffentlich verwaltetes Standarddepot ist im Gesetz angelegt, braucht aber noch eine Verordnung der Bundesregierung. Die liegt bisher nicht vor. Ob und wann es dieses Angebot gibt, steht also noch nicht fest.

Die Förderung im Überblick

Ruhiges Beratungsgespräch an einem hellen Schreibtisch mit Unterlagen

Die neue Förderung ist beitragsproportional: Je mehr du einzahlst, desto mehr legt der Staat drauf – allerdings gestaffelt. Die folgenden Zahlen stammen aus dem FAQ des Bundesfinanzministeriums (Stand 05.05.2026) und den Angaben der Bundesregierung zum beschlossenen Gesetz.

Baustein Bisher (Riester) Ab 2027 Wichtig zu wissen
Grundzulage feste Zulage, an eine Mindesteigenleistung geknüpft 50 Cent je Euro bis 360 € Eigenbeitrag, danach 25 Cent je Euro bis 1.800 € maximal 540 € Zulage im Jahr
Kinderzulage feste Zulage je Kind 1 € je eingezahltem Euro, und zwar für jedes Kind maximal 300 € je Kind; dafür reichen 300 € Eigenbeitrag im Jahr – egal wie viele Kinder du hast
Berufseinsteiger einmaliger Bonus einmalig 200 € bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag nur einmal, nicht jährlich
Geförderter Personenkreis im Wesentlichen Pflichtversicherte der gesetzlichen Rente zusätzlich Selbstständige, Freiberufler, Gewerbetreibende und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke erstmals geöffnet
Einzahlung insgesamt begrenzt bis 6.840 € im Jahr möglich gefördert werden davon bis 1.800 €
Ehepartner (mittelbar) abgeleiteter Anspruch eigener Vertrag möglich Grundzulage hier maximal 175 €

Das sind die gesetzlich festgelegten Werte, keine Produktangaben. Wie ein konkreter Vertrag am Ende aussieht, hängt vom jeweiligen Anbieter ab – die Produkte gibt es frühestens ab Januar 2027.

Kurz erklärt: die Zulagen-Staffel

Stell dir zwei Wechselstuben nebeneinander vor. In der ersten bekommst du für jeden Euro 50 Cent obendrauf – aber sie schließt, sobald du 360 Euro eingezahlt hast. In der zweiten gibt es nur noch 25 Cent je Euro, dafür bleibt sie bis 1.800 Euro offen. Alles, was du danach noch einzahlst, geht ohne Zuschlag ins Depot.

Praktisch heißt das: Die ersten 30 Euro im Monat sind der Teil mit dem besten Verhältnis. Wer dort nichts einzahlt, verschenkt den wertvollsten Teil der Förderung.

Was das für dich konkret bedeutet

Wenn du angestellt bist und bisher nichts gemacht hast: Mit 30 Euro im Monat (360 € im Jahr) schöpfst du die höchste Zulagenstufe komplett aus und bekommst 180 Euro vom Staat dazu. Das bedeutet für dich konkret: Für den Einstieg brauchst du keine große Sparrate. Liegt dein Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze, lohnt daneben ein Blick auf deren Sonderanhebung 2027 – die trifft deine Krankenkassenbeiträge, nicht deine Vorsorge.

Wenn du Kinder hast: Die Kinderzulage ist der stärkste Hebel im neuen System – und der am häufigsten missverstandene. Du zahlst nicht je Kind extra ein. Es gibt einen einzigen Eigenbeitrag, und der zählt gleichzeitig für die Grundzulage und für jedes Kind.

Ein Beispiel mit zwei Kindern und 300 € Eigenbeitrag im Jahr (25 € im Monat): Grundzulage 150 € (300 × 50 Cent), dazu 300 € für das erste und 300 € für das zweite Kind. Macht 750 € Förderung auf 300 € Einzahlung. Das bedeutet für dich konkret: Wenn du Kinder hast, ist der erste kleine Sparbetrag mit Abstand der wertvollste, den du einzahlen kannst.

Wenn du selbstständig bist: Du warst bei Riester in aller Regel außen vor. Ab 2027 nicht mehr – vorausgesetzt, du hast Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder selbstständiger Arbeit und gibst eine Steuererklärung ab. Das bedeutet für dich konkret: Deine Altersvorsorge sollte spätestens jetzt einmal auf den Tisch.

Wenn du unter 25 bist: Den Berufseinsteigerbonus von 200 Euro gibt es nur bei einem Abschluss vor dem 25. Geburtstag. Das bedeutet für dich konkret: Hier ist der Stichtag hart – danach ist er weg.

Was mit deinem Riester-Vertrag passiert

Das ist die Frage, die mir aktuell am häufigsten gestellt wird, und die Antwort ist ruhiger als die Schlagzeilen vermuten lassen: Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, genießen Bestandsschutz. Sie laufen weiter, du kannst sie weiter besparen, und niemand kündigt oder wandelt sie automatisch um. Was ab 2027 nicht mehr geht, sind neue Verträge nach altem Riester-Modell.

Ob du deinen Altvertrag behältst, wechselst oder ruhen lässt, ist eine eigene Rechnung – mit vier möglichen Wegen und Zahlen, die vom Zinsniveau deines Vertrags und deiner Restlaufzeit abhängen. Das habe ich hier ausführlich durchgerechnet: Riester-Vertrag 2027: behalten, wechseln oder ruhen?.

Worauf du bei einem Altersvorsorgedepot achten solltest – die 3 wichtigsten Punkte

Verzettel dich nicht in Produktdetails. Drei Dinge entscheiden am Ende über das Ergebnis:

  1. Die Effektivkosten. Beim Standarddepot sind sie gesetzlich auf 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt, bei anderen Verträgen nicht. Das bedeutet für dich konkret: Über 30 Jahre frisst jedes zusätzliche halbe Prozent einen spürbaren Teil deiner Rendite – frag immer nach den Effektivkosten, nicht nach der Verwaltungsgebühr.

  2. Wie das Geld vor Rentenbeginn umgeschichtet wird. Das Standarddepot schichtet automatisch in risikoärmere Fonds um, je näher der Rentenbeginn rückt. Das bedeutet für dich konkret: Ein Börsenrutsch zwei Jahre vor Auszahlung trifft dich nicht mehr mit voller Wucht. Prüfe bei jedem anderen Vertrag, ob es so einen Mechanismus gibt.

  3. Die Auszahlungsphase. Du kannst zwischen einer lebenslangen Rente und einem befristeten Auszahlungsplan wählen, der mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr läuft. Zu Rentenbeginn sind bis zu 30 Prozent als Einmalbetrag möglich. Das bedeutet für dich konkret: Kläre vor Abschluss, welche dieser Optionen der Vertrag wirklich anbietet.

Lohnt sich das für dich?

Nüchtern betrachtet: Die Zulagen sind der eigentliche Renditetreiber, besonders im unteren Bereich und bei Kindern. 50 Cent auf den Euro bekommst du an keinem Kapitalmarkt geschenkt. Wer die erste Stufe ausschöpft, hat den Löwenanteil des Vorteils bereits eingesammelt.

Zwei Dinge gehören aber ehrlicherweise in dieselbe Abwägung, bevor du eine Sparrate festlegst.

Das Depot ohne Garantie ist kein Sparbuch. Dein Guthaben schwankt mit den Märkten, und es kann zum Rentenbeginn weniger wert sein, als du eingezahlt hast – genau dafür wurde die Garantiepflicht ja gestrichen. Über 25 oder 30 Jahre relativiert sich das erfahrungsgemäß; über sieben Jahre nicht. Je kürzer deine Restlaufzeit, desto eher gehört die Frage auf den Tisch, ob nicht ein Garantieprodukt der ruhigere Weg ist.

Und das Geld ist zweckgebunden. Auszahlen kannst du frühestens mit 65; spätestens mit 70 muss die Auszahlung beginnen. Für die Zeit davor ist das kein flexibler Notgroschen – wer absehbar früher an das Geld muss, ist hier falsch. Ein Vorsorgevertrag ersetzt keine Rücklage auf dem Tagesgeldkonto, er kommt danach.

Darüber hinaus wird es zur normalen Anlageentscheidung. Ob 100 Euro im Monat besser ins geförderte Depot oder in einen freien ETF-Sparplan fließen, hängt von deiner Steuerlast, deiner Restlaufzeit und davon ab, wie viel Flexibilität du brauchst. In der Auszahlungsphase werden die Leistungen nachgelagert besteuert – vollständig, soweit die Beiträge gefördert wurden.

Und der wichtigste Satz: Kein Depot der Welt ersetzt eine geklärte Grundabsicherung. Wer im Alter Vermögen aufbaut, aber bei Krankheit, den Pflegekosten im Heim oder Berufsunfähigkeit eine offene Flanke hat, hat die Reihenfolge vertauscht.

Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot 2027

Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot abschließen? Anbieter dürfen die neuen Produkte ab dem 1. Januar 2027 anbieten. Vorher gibt es keine abschlussfähigen Verträge nach dem neuen Recht – wer dir heute schon eines verkaufen will, verkauft dir etwas anderes.

Muss ich meinen Riester-Vertrag kündigen? Nein. Bestehende Verträge haben Bestandsschutz und laufen weiter. Ein Wechsel ist freiwillig und ohne Rückzahlung der bisherigen Förderung möglich – ob er sich lohnt, ist eine Einzelfallrechnung.

Bin ich als Selbstständiger wirklich förderberechtigt? Ja, das ist eine der zentralen Neuerungen. Erfasst sind Erwerbstätige mit Einkünften aus Gewerbebetrieb oder selbstständiger Arbeit, die eine Steuererklärung abgeben, sowie Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke.

Wie viel kann ich maximal einzahlen? Bis zu 6.840 Euro im Jahr. Gefördert werden davon aber nur die ersten 1.800 Euro – der Rest läuft ohne Zulage im selben Vertrag mit.

Kann ich Geld verlieren? Beim Altersvorsorgedepot ja. Es verzichtet bewusst auf eine Garantie, um Aktienanlagen zu ermöglichen. Wenn du das nicht willst, führt der Weg über ein Garantieprodukt mit 100 oder 80 Prozent Beitragserhaltung – dafür mit entsprechend geringerer Renditechance.

Was ist mit der Frühstart-Rente? Das ist ein separates Vorhaben für Kinder und Jugendliche und nicht Teil des hier beschlossenen Gesetzes. Verwechsle die beiden nicht – Details und Zeitplan dazu stehen auf einem anderen Blatt.

Dein nächster Schritt

Du musst dich heute zu nichts entscheiden – die Produkte gibt es ohnehin erst 2027. Sinnvoll ist jetzt etwas anderes: einmal in Ruhe draufschauen, was du an Vorsorge schon hast, wo die echten Lücken sind und ob ein bestehender Riester-Vertrag überhaupt ein Kandidat für den Wechsel ist.

Wenn du magst, machen wir das gemeinsam – ehrlich, ohne Verkaufsdruck und mit klarer Ansage, wenn bei dir gerade etwas ganz anderes wichtiger ist. Über 100 Menschen haben mich dafür schon mit fünf Sternen bei ProvenExpert bewertet.

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Hinweis: Alle genannten Beträge, Fristen und Regelungen geben den Gesetzesstand von Mai 2026 wieder (Altersvorsorgereformgesetz; Bundestag 27.03.2026, Bundesrat 08.05.2026, Produktstart 01.01.2027) und können sich bis zur Umsetzung und durch nachgelagerte Verordnungen noch ändern. Quellen: Bundesfinanzministerium (FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge, Stand 05.05.2026), Bundesregierung, Deutscher Bundestag. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung und keine Rechts- oder Steuerberatung; steuerliche Auswirkungen solltest du im Einzelfall prüfen lassen.